Es war einmal vor langer Zeit…
Dieser Blogeintrag fällt mir alles, aber bestimmt nicht leicht. Ich habe so lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll oder nicht… Schluss und letztendlich habe ich mich dafür entschieden, denn dieses Auslandspraktikum ist schließlich dafür da, um Erfahrungen zu sammeln und um zu wachsen. Es war einmal vor langer Zeit… naja so lange ist es dann doch noch gar nicht her, aber es fühlt sich immer noch alles so unreal an. Ich bin jetzt seit ziemlich genau 2 Monaten in Spanien. Anfangs lebte ich in Barcelona, nicht weit von einem meiner heutigen Lieblingsorte: den Parc de Ciutadella. Ich bezog mein eigenes Appartment. Ich habe mich damals bewusst gegen eine Wohngemeinschaft entschieden, aus verschiedensten Gründen. Nun gut, die Gegend war leider nicht das was sie zu versprechen galt, aber damit habe ich mich mehr oder weniger abgefunden. Ich hatte von Anfang an ein eher unwohles Gefühl, aber eine andere Wahl hatte ich in dem Augenblick leider nicht. Augen zu und durch wie es so schön heißt… Denkste! Schon nach meinem 2. Arbeitstag meines Auslandspraktikums stand ich nichtsahnend vor den Trümmern meiner „Existenz“. In meiner Wohnung gab es einen Kabelbrand, zu retten war fast nichts mehr, denn das was die Flammen sich nicht holten, wurde durch die Löscharbeiten der Feuerwehr zerstört. Ausgelöst wurde der Brand durch einen technischen Defekt. Wie dem auch sei, ich war so unendlich dankbar, dass ich während des Feuers nicht zu Hause war und das mein treuer Begleiter (ein blauer kleiner Glücksfisch hahaha) wohl auf war. Liam (20/ aus Irland) mein damaliger Nachbar, hatte damals die Feuerwehr alarmiert. Er war während des Feuers in seinem Appartement direkt über meinem. Aber auch ihm geht es heute wieder gut. Obwohl, oder vielleicht gerade, weil wir uns unter diesen Umständen kennenlernten, stehen wir auch heute noch im engen Kontakt. Aus Leidensgenossen wurden Freunde. Es ist super schwierig zu beschreiben, was einem in diesem Augenblick durch den Kopf geht. Noch heute habe ich noch einige Sachen mit der Vermietung, Polizei und Versicherung zu klären. Kaum zu glauben… Selbstverständlich ist die ein oder andere Träne geflossen, immerhin sollte man auch nie vergessen, dass ich komplett auf mich allein gestellt war, in einem Land in dem ich die Sprache eher semi-gut beherrsche… Im Nachhinein kann ich zurecht behaupten, dass ich so stolz auf mich bin, wie ich das alles gemeistert habe.
Ich denke, dass es genau darum in einem Auslandspraktikum geht. Grenzen überschreiten. Ich habe Leute aus ganz Europa und der Welt getroffen. Ich bin auf so viel Hilfsbereitschaft gestoßen. Für mich schwer realisierbar, ich war ja schließlich erst 2 Tage da. All´ meine Kollegen standen geschlossen hinter mir. So räumte mir mein Chef kostenfreien Rechtsbeistand ein und gab mir die Zeit, um mich neu zu sammeln. Meine Kollegin Estela bot mir sogar an bei ihr einzuziehen. Ich wusste immer gar nicht ob ich heulen oder mich freuen soll haha. Ich kriege richtig Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Auch die Ausbildungsleitung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, sowie die Flowmanager der Louise-Schroeder Berufsschule stärkten mir aus der Ferne den Rücken und unterstützten wo auch immer sie konnten. Ich versuche möglichst viel Positives aus all den Ereignissen mitzunehmen und bereue die Entscheidung ins Ausland gegangen zu sein nicht eine Sekunde. Es fühlt sich an wie die Schule für´s wahre Leben.
Richtig sesshaft bin ich mittlerweile in Badalona geworden, ein Vorort von Barcelona und wer hätte das gedacht? In einer Wohngemeinschaft. Die beste Entscheidung die ich bisher getroffen habe. Ich wohne mit 2 Herren zusammen: German (58/Hauptmieter) und Luis (38). Achtung Füße hoch jetzt kommt ein Flachwitz, den ich mir bei der Wohnungsbesichtigung nicht verkneifen konnte: Ach wir passen bestimmt gut zusammen, immerhin sind wir ja beide zwei German´s hahahaha (Gott, ist der schlecht)
Mit Luis spreche ich überwiegend englisch. Mit German spreche ich spanisch, aber wir kommen regelmäßig an unsere Grenzen und wenn es gar nicht mehr weitergeht dann hilft uns der Google Übersetzer hahaha. Aber ich muss echt sagen, ich habe die beiden sooooo liebgewonnen. Wir essen regelmäßig zusammen Abendbrot, wenn es mir nicht zu spät ist, denn die Spanier essen für gewöhnlich zwischen 22-23 Uhr… kann ich mich überhaupt nicht dran gewöhnen hahaha. Ganz besonders schön finde ich, dass wir viel zusammen lachen und die beiden benehmen sich manchmal wie 12-jährige Jungs hahahaha. Im Allgemeinen machen sie einen viel jüngeren Eindruck.
Luis unterstützt mich beim Spanisch lernen. Es gibt gute und weniger gute Tage. Aber ich fühl mich schon richtig heimisch. Mit German saß ich vor einiger Zeit an einem Freitagabend auf der Couch. Wir zeigten uns unsere Lieblingssongs und schauten uns ein paar Musikvideos dazu an. German findet genauso wie ich, dass Musik einfach laut gehört werden muss. So hatten wir quasi unsere eigene kleine fiesta hahahaha. DRÜCKEN MUSS ES IM GESICHT! Er ist echt so liebenswert! Vor allem hat er meine Playlist bereichert haha. Musik verbindet 😉
Mein Zimmer ist mit ganz viel Liebe zum Detail eingerichtet. Stolz erzählt German mir immer, dass er die Möbel alle selbst gebaut hat. In der geräumigen Wohnung, die einem Palast gleicht, gibt es 2 Badezimmer und eine zum Verweilen einladende Küche. In meinem Zimmer befindet sich ein separater Eingang zur Terrasse, welche einen wunderschönen Ausblick auf die Berge und den Mietereigenen Pool bietet. Um ans Meer zu gelangen und an den so viel schöneren Strand, muss ich nur aus der Tür stolpern. So lässt es sich leben. Ich weiß nicht was Badalona mit mir macht, aber es gefällt mir.
Ich weiß jetzt schon, dass der Abschied mir so unendlich schwer fallen wird 😦




Feliz cumpleaños
Stolze 58 Jahre alt (einen verrückteren Menschen habe ich bisher noch nie kennengelernt) ist German am vergangenen Wochenende geworden. Er lud mich zu seiner Geburtstagsparty ein… Um nur so viel zum Wochende zu sagen: Ich brauchte einfach die ganze Woche, um mich von diesem Wochenende zu erholen Hahaha! (Fotos wären an dieser Stelle sowas von unangebracht) Ich habe seine ganze Familie und seine Freunde kennengelernt. Wir hatten alle so unglaublich viel Spaß.

Zum Ende noch ganz kurz:
Ich bin jetzt schon so viel reicher. Und nein damit meine ich nicht das großzügige Stipendium, das ich erhalten habe (hahaha). Ich bin so dankbar, so viele tolle neue Menschen in meinem Leben zu haben, für all die Erfahrungen, die ich bereits sammeln konnte und insbesondere für ein ganz besonderes Gefühl von Gemeinschaft, trotz verschiedenster Kulturen, Gewohnheiten und Sprachen.



















































